10.4.11

Keine Wertarbeit – nirgends (642)

Geht es in den Medien »nur noch um Boulevard, Billigjournalismus und Gefühlsthemen«? Nein: Es existiert noch eine letzte kleine Insel des »Qualitätsjournalismus«; der FOCUS...

Er setze auf »Qualitätsjournalismus«, und zwar »bewusst«. Betont Wolfram Weimer im Interview mit der ZEIT. Dieser »Qualitätsjournalismus« sei nicht weniger als – »ein Signal«. Man ahnt: an dieser Stelle erhob er mahnend den Zeigefinger.

Bemerkenswert daran ist nicht, dass der FOCUS-Chefredakteur den  »Qualitätsjournalismus« ausgerechnet seines Blattes lobt, das, so Weimer zu dessen Charakterisierung, ein Thema wie »Technik und Fortschritt« nicht »in erster Linie unter der Maßgabe ›Risiko, Nebenwirkungen, Lobbyismus, Korruption« betrachte, weswegen man schon mal den Klimawandel als Chance hypt (sofern man ihn nicht gleich leugnet oder die Atomkraft zur Lösung des Nicht-Problems heranziehen will), nein: Dieses Geschwafel ist halt Reklame – und auch Reklame hat billig zu sein in der kapitalistischen Murkswirtschaft. 

Wer hat die coolere Sonnenbrille: Kim, der verrückte Diktator, oder Knut der Scheißbär? Egal: Hier geht' um »Qualität«, nicht um »Gefühlsthemen«!

Spannender ist Weimers Aussage darüber, an wen sich das »Signal« richtet, das er mit seinem »Qualitätsjournalismus« auszusenden meint: Nämlich »auch an all diejenigen, die düster behaupten, es ginge nur noch [sic] um Boulevard, Billigjournalismus und Gefühlsthemen«. Also an den Mainstream in den Management-Etagen deutscher Medienkonzerne, deren Produkte auch nicht anders hergestellt werden als Socken. Und zu exakt dem selben Zweck.

Unterstellen wir für einen kurzen Moment, es stimme tatsächlich; unterstellen wir, der FOCUS produziere »Qualitätsjournalismus«. Dann zeigt sich einmal mehr, dass sich solches Bemühen nicht wirklich rechnet: Die Auflage des FOCUS – das vermag Weimar nicht schön zu schwätzen! – dümpelt dahin. Die FOCUS-Leser, so analysiert Weimer, stehen weniger weit links draußen als diejenigen des SPIEGEL, verdienten zudem besser. Dumm, rechts, wohlhabend, optimistisch – manch einer spricht da auch von Leistungselite.